Über CMD
Vorwort:
CMD Patienten gibt es schon sehr lange. In der Vergangenheit und auch heute noch wurden und werden diese Patienten von der Medizin und der Zahnmedizin vernachlässigt, weil sich sowohl die Diagnostik, als auch die Therapie der CMD als sehr aufwändig und behandlungsintensiv darstellen. Nach wie vor findet CMD in der ärztlichen und zahnärztlichen Studentenausbildung praktisch nicht statt. Es gibt keine universitäre Abteilung in Deutschland, die sich mit diesem Krankheitsbild befasst. Es waren stets niedergelassene Zahnärzte, die sich über Fortbildungen und die tägliche Auseinandersetzung mit diesen Patienten die Kenntnisse verschafften, die heute wissenschaftlich gesichert zur Verfügung stehen. Leider stehen die wirtschaftlichen Aufwendungen, die von Patienten zur Beseitigung ihrer Beschwerden aufgebracht werden, häufig nicht in einem vernünftigen Verhältnis zu dem nachweisbaren Behandlungserfolg. Sehr häufig werden von den Patienten erhebliche finanzielle Mittel in diagnostische Maßnahmen investiert, ohne dass es zu einer erkennbaren therapeutischen Besserung ihrer Beschwerden käme. Aus diesem Grund war es überfällig, dass die zuständige wissenschaftliche Fachgesellschaft -DGFDT- einen „Zertifizierten Spezialisten“ auswies, der sowohl den Patienten, als auch den interdisziplinär zuweisenden Ärzten die Gewissheit gibt, einen zahnärztlichen Spezialisten vorzufinden, der nachweislich über konkrete behandlerische Erfahrungen und Erfolge auf diesem Gebiet verfügt.
Aufgabe des CMD Spezialisten
Der „Spezialist für Funktionsdiagnostik und therapie“ beschäftigt sich mit den funktionellen Erkrankungen des Kauorgans. Das Erkrankungsbild ist unter den folgenden Begriffen, die alle dasselbe Krankheitsbild beschreiben, bekannt:
„Craniomandibuläre Dysfunktion“ ist die Bezeichnung, die sich im internationalen Sprachgebrauch durchgesetzt hat.
Symptomtrias:
Nicht jeder, der ein Problem mit seinem Biss hat leidet auch an einer CMD. Aber fast jeder CMD Patient hat ein Problem mit seinem Biss!
Wie bei allen Erkrankungen bedarf es auch bei der CMD immer drei unterschiedlicher Faktoren, damit ein Patient Beschwerden bekommt:
Diese drei Faktoren stehen als Ansatzpunkte im Rahmen einer Behandlung zur Verfügung.
Zu 1.:
Die Prädisposition ist genetisch festgelegt und unveränderbar. Dieser Teil der Krankheitsentwicklung ist daher einer medizinischen Behandlung nicht zugänglich.
Zu 2.:
Die Psyche ist bei CMD-Patienten häufig in Mitleidenschaft gezogen, da chronische Schmerzen jedem Menschen irgendwann „auf den Geist“ gehen. Behandlungsbedürftig ist aber nicht die gestörte Psyche, sondern die Ursache der Schmerzen. Hier die fehlbelastete Kaumuskulatur und die Kiefergelenke. In extrem seltenen Fällen können psychische Erkrankungen mitbeteiligt an einer CMD sein.
Zu 3.:
Als einziger medizinisch behandelbarer Faktor steht daher in der Regel die lokale Störung, bei CMD-Patienten die Störungen des Bisses zur Verfügung. Dies ist ein Vorteil. Es besteht nämlich die Möglichkeit einem Patienten vor einer Behandlung zu beweisen, dass eine funktionstherapeutische Behandlung überhaupt zu einer Besserung seiner Beschwerden führen wird. Es gibt kaum einen anderen Bereich in der Medizin, in dem man einem Patienten bereits vor einer Behandlung zeigen kann, wie sich sein Zustand nach der Behandlung darstellen wird. Wenn es dem Behandler nicht gelingt dem Patienten mit reversiblen Maßnahmen aufzuzeigen, dass seine Beschwerden positiv beeinflusst werden können, ist es unsinnig eine bisskorrigierende, zahnärztliche Behandlung in die Wege zu leiten.
Betrachtungen zur Interdisziplinarität von CMD-Behandlungen
Es gibt ihn, den CMD-Patienten, dem nur unter Hinzuziehung anderer ärztlicher Disziplinen zu helfen ist. Angeborene oder erworbene, schwere Haltungsschäden, die die gesamte Statik des Körpers beeinflussen, fallen hierunter. Schwere psychische Beeinträchtigungen ebenso. In diesen Fällen ist immer ein Spezialist des entsprechenden Fachgebietes hinzuziehen, um einen Gesamtüberblick über die CMD-assoziierte-Erkrankung zu erhalten. Diese Patienten machen aber den mit Abstand geringsten Teil der CMD-Patienten aus.
Der „normale“ CMD-Patient hat in der Regel eine viel einfachere Krankengeschichte! Dieser Patient leidet an einer Störung der statischen und/oder dynamischen Okklusion, oder einfacher ausgedrückt: Sein Biss stimmt nicht. Um dies zu erkennen, bedarf es in der Regel nicht wie vielfach dargestellt, ausgedehnter fachärztlicher Untersuchungen aller denkbaren Fachrichtungen.
Ursachen der CMD
Bei der craniomandibulären Dysfunktion handelt es sich um eine Erkrankung mit mehreren Ursachenfaktoren (multifaktoriell). In der Praxis ist es sinnvoll sich auf die Gegebenheiten zu konzentrieren, die regelmäßig auftreten und einer Therapie zugänglich sind. Es ist daher nicht Sinn dieser Darstellung eine akademische Diskussion über alle Details der Erkrankung zu führen, die dem Betroffenen nicht weiterhilft. Das Vorhandensein mehrerer Ursachen ist aber nicht zwangsläufige Voraussetzung. Craniomandibuläre Dysfunktionen entstehen häufig auf der Grundlage einer veränderten Bisslage.
In der Ursachendiskussion wird regelmäßig auf den Faktor Stress hingewiesen. Dabei wird übersehen, dass Stress für sich gesehen nichts Schädliches ist. Stress ist ein natürlicher und auch notwendiger Teil unseres Lebens. Im englischen Sprachgebrauch wird der Begriff des „Stress“ besser definiert. Ein positiver, lebensfördernder Stress wird dort als Eustress, ein schädlicher Stress hingegen als Dysstress bezeichnet. Allein schon an der undifferenzierten Nutzung des Begriffs „Stress“ im deutschen Sprachgebrauch lässt sich erahnen, dass dieser Begriff häufig fehlinterpretiert wird. Nur der so genannte Dysstress kann im Zusammenhang mit CMD eine gewisse Bedeutung als Begleitfaktor besitzen.
Als eigentliche Ursache craniomandibulärer Dysfunktionen ist daher immer zu prüfen, ob eine Störung der Okklusion (Biss) vorliegt. Hinter dem umgangssprachlichen Begriff des Bisses verbirgt sich weit mehr, als nur das Zusammenbeißen der Zähne (statische Okklusion), sondern auch die wesentlich komplexere dreidimensionale Bewegung der Zähne von Ober- und Unterkiefer gegeneinander, beispielsweise bei den Mahl-, und Kaubewegungen (dynamische Okklusion). Aber eben auch bei allen Sprechbewegungen!
Bereits Störungen der statischen und/oder dynamischen Okklusion im Bereich von circa 10/1000 mm können ausreichen, um schwerwiegende Störungen und Beschwerden bei diesen Patienten auszulösen. Die Kombination Fehlbiss und Dystress ist eine Kombination, die stark CMD krankheitsfördernd wirkt, vor allem dann, wenn auch noch eine Prädisposition vorhanden ist.
Es werden noch weitere Faktoren diskutiert, die zum Auftreten einer craniomandibulären Dysfunktion beitragen können. Hier sind unter anderem Störungen des Stützapparates zu nennen. Häufig sind diese Faktoren nur sehr erschwert aufzudecken und in der Regel therapeutisch nicht oder nur in geringem Ausmaß zu beeinflussen. Diese Diskussion ist häufig akademisch geprägt und in der Praxis nicht zielführend. Es ist ein weit verbreiterter Irrtum der Mensch sei ein feinmechanischer Apparat, der nur dann einwandfrei funktioniere, wenn alle Bestandteile des Körpers ideal zusammenarbeiten. Beispielhaft sei angeführt, dass circa 90% der Bevölkerung über unterschiedliche lange Beine verfügen. Es handelt sich hier um einen Normalbefund, dem in der Diskussion um die Ursachen der craniomandibulären Dysfunktion häufig eine entscheidende Bedeutung zugemessen wird, die diesem aber nicht zukommt.
Als Ursachen eines Fehlbisses spielen in der Praxis folgende Ursachen eine relevante Rolle:
Es kann sich auch um eine Kombination der verschiedenen Punkte handeln. In der Praxis und mit fortgeschrittenem Alter ist es kaum möglich herauszufinden, welches der genannten Kriterien krankheitsauslösend war.
Ein weiteres, wesentlich schwieriger zu erklärendes Problem craniomandibulärer Dysfunktionen liegt in der so genannten Kompensation. Wie bereits erwähnt ist der Körper kein feinmechanischer Apparat. Dass ein Gesicht nicht symmetrisch aufgebaut ist, wird dem Leser häufig an Fotomontagen in der Presse dargestellt. Der gesamte Körper ist ebenso wenig symmetrisch aufgebaut, wie man an sich selbst feststellen kann. Der Körper ist daher so konzipiert, dass er Ungenauigkeiten oder Asymmetrien funktionell ausgleichen kann. Man spricht hier von „Kompensation“. Beispielhaft soll dieser Mechanismus an einer Situation dargestellt werden, die fast jeder nachvollziehen kann. Der Patient geht zum Zahnarzt und erhält eine neue Füllung. Kurze Zeit nachdem die Lokalanästhesie nachgelassen hat, hat der Patient das Gefühl etwas stimme nicht mit seinem Biss. Am nächsten Tag sucht er seinen Zahnarzt wieder auf, der eine Korrektur der Füllung vornimmt. Die Situation scheint verbessert, der Patient hat aber immer noch das Gefühl, etwas stimme nicht ganz. Nach einiger Zeit hat der Patient dann aber das Gefühl, er habe sich an die neue Situation gewöhnt. Es passiert nichts weiter. Medizinisch gesehen greift nunmehr der Mechanismus der Kompensation. Obwohl der Biss einer funktionellen Störung durch diese nicht ganz korrekte Füllung unterliegt, funktionieren die Abläufe im Kauorgan weiterhin weitgehend ungestört. Im Lauf der Jahre erhält der Patient wiederholt Füllungen und inzwischen auch erste Kronen. Immer wieder einmal hat der Patient, nach den durchgeführten Maßnahmen, das Gefühl sein Biss sei wieder ein bisschen anders, als zuvor. Jedes Mal wieder greift der Mechanismus der Kompensation. Dann erhält der Patient nach einer gewissen Zeit wieder eine neue Krone, die nicht exakt passt. Wochen nach der Eingliederung der Krone beklagt der Patient unerwartet zunehmende Beschwerden im Kopfbereich. Die Beschwerden treten zum Beispiel im Bereich der Ohren, der Augen im Hals-, Schulter-, Nackenbereich auf oder ähneln denen vermeintlicher Kopfschmerzen/Migräne. Der Patient sucht nunmehr einen Facharzt nach dem anderen auf. Hirntumore, Multiple Sklerose, Bandscheibenvorfall werden ausgeschlossen. Mit zunehmenden diagnostischen Bemühungen werden die Verdachtsdiagnosen immer abenteuerlicher. Häufig, vor allem bei Frauen, werden zum Schluss psychische Probleme verantwortlich gemacht und der Betroffene in die „psychosomatische Ecke“ abgedrängt. Auch Zahnärzte werden mit diesen Patienten konfrontiert, erkennen aber die CMD-Symptomatik nicht immer. Es entwickeln sich so häufig wahre medizinische Odysseen, die die Patienten immer mehr psychisch zerrütten. Es erscheint dem Betroffenen dann schier unglaublich, wenn ihm eröffnet wird, dass es sich um ein zahnärztliches Erkrankungsbild handelt, denn schließlich befindet sich jeder in zahnärztlicher Behandlung, ohne dass dieses Thema dort zur Sprache gekommen wäre.
Um noch einmal das Entscheidende der Kompensation zusammenzufassen: Der Patient erkrankt immer an dem Krankheitsbild ohne dies selbst zu merken! Der Prozess der Kompensation, mit dem der Organismus versucht, trotz der bestehenden Störung, funktionsfähig zu bleiben, kann häufig viele Jahre, manchmal ein Leben lang andauern. Umso unverständlicher erscheint es dem Betroffenen dann, dass dieser Mechanismus, ohne erkennbaren Anlass, auf einmal wegen Überlastung zusammenbricht. So wacht der Patient auf einmal morgens auf und beklagt Kopfschmerzen, die nicht mehr verschwinden wollen und die er vorher niemals hatte. Es bedarf dann nicht nur des spezialisierten Wissens um die Erkrankung, sondern auch der kommunikativen Fähigkeit, dem Patienten diese sehr komplexen Sachverhalte verständlich darzustellen.
Da jeder Mensch nur seine eigene Befindlichkeit kennt und mit dieser sein Leben bewältigt, ist es für den Einzelnen fast unmöglich zu erkennen, ob sein Biss stimmt, oder ob er seinen unstimmigen Biss unbewusst ausgleicht, damit dieser trotzdem funktioniert. Je komplexer sich ein Organ in seinen Funktionen darstellt, um so eher besteht die Gefahr der Schädigung durch permanente Fehlbelastung. Das Kauorgan hat sich im Laufe der Evolution von einem „einfachen“ Nahrungszerkleinerungsorgan“ hin zu einem hochkomplexen „Kommunikationsorgan“ entwickelt, das praktisch unentwegt in Funktion ist.
Wenn hier etwas auf Dauer nicht stimmt, überfordert die Kompensation die Strukturen des Kauorgans, hier vor allem die Muskeln, Bänder und Gelenke. Man muss sich vor Augen halten, dass die Kau/Kopfmuskulatur in der Lage ist zwischen den Backenzähnen Kräfte von bis zu 100kg/cm2 aufzubauen. Es dauert einige Zeit bis sich diese fehlbelasteten Gewebe mit Beschwerden melden. Es beginnt dann der Prozess der Dekompensation, der nach individuell ganz unterschiedlicher Zeitdauer zu subjektiven Beschwerden, wie Schmerzen und Verspannungen führt.
Auf die Möglichkeit der CMD-Auslösung durch kieferorthopädische Veränderungen des Bisses sei hingewiesen. Auffällig sind Kopfschmerzen, die im Anschluss an diese Behandlungen entstehen und nicht als CMD-bedingte-Kopfschmerzen erkannt werden.
Das gleiche gilt für Kopfschmerzen, muskuläre Verspannungen und Kiefergelenkknacken, die nach Eingliederung neuer Kronen, Brücken oder Prothesen auftreten können. In diesem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass die Vermeidung, Erkennung und Behandlung von CMD zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung nicht möglich ist.
Wichtig ist, dass die Beschwerden nie in direktem zeitlichem Zusammenhang zu dem auslösenden Ereignis entstehen. Es liegen in der Regel immer mehrere Tage, Wochen oder gar Monate, manchmal auch Jahre zwischen auslösendem Ereignis und dem erstmaligen Auftauchen dieser Beschwerden. Dies macht es vor allem dem nicht spezialisierten Therapeuten so schwer die Zusammenhänge zu erkennen!
Häufigkeit der Erkrankung
Die Angaben hierüber schwanken. Dies hängt damit zusammen, dass die vorhandenen Symptome stark differieren können. Ein anderer Grund liegt in der unterschiedlichen Bewertung zwischen der Häufigkeit des Auftretens von Symptomen und der Einschätzung, ab welchem Beschwerdegrad eine funktionelle Therapie notwendig ist.
Hanson gibt in seinem Buch „Funktionsstörungen im Kauorgan“ an, dass 20- 30% der Bevölkerung einer Behandlung bedürften. Das ICCMO gibt in seinem Ratgeber: Der etwas andere Kopfschmerz“ an, dass circa 60% der Bevölkerung an den Symptomen einer CMD leiden. Irgendwo zwischen diesen Angaben liegt die „Wahrheit“, wie hoch der Prozentsatz der Bevölkerung liegt, der einer CMD-Behandlung bedarf.
Die Entstehung immer neuer Schmerzkliniken, der von Jahr zu Jahr zunehmende Verbrauch an Schmerzmitteln wegen Kopfschmerzen deutet daraufhin, dass sich der Behandlungsbedarf der Bevölkerung wegen CMD verursachter Beschwerden stetig erhöht, ohne dass die notwendigen fachlich spezialisierten Kapazitäten zur Verfügung stünden.
Festzustellen bleibt, dass in den Schmerzkliniken nur die schmerzhaften Symptome von CMD behandelt werden, ohne dass die eigentliche Ursache dieser Schmerzen und Beschwerden erkannt wird. Dies liegt vorrangig darin begründet, dass in Schmerzkliniken überwiegend Mediziner praktizieren, denen ausbildungsbedingt der Bezug zum Fachgebiet Zahnheilkunde fehlt. Defizite in der Ausbildung der Zahnärzte sorgen dafür, dass von den Hauszahnärzten häufig keine Impulse zu einer Erkennung der ursächlichen CMD ausgehen.
Behandlungsansätze
1. Symptomatischer Behandlungsansatz:
Konzentriert sich auf die Verminderung der Beschwerden ohne deren Ursache aufzudecken oder zu behandeln.
Es ist das Kennzeichen aller symptomatischen Behandlungen, dass sie das „Übel nicht an der Wurzel packen“, sondern sich darauf konzentrieren die Beschwerden zu vermindern. Der Vorteil dieser Maßnahmen liegt drin, dass sie schnell wirken, nur geringen behandlerischen Aufwand verursachen und tief greifende Veränderungen vermeiden. Viele Behandlungsmaßnahmen der Medizin und Zahnmedizin sind symptomatisch orientiert. Dies liegt unter anderem daran, dass sich die Ursachen von Erkrankungen häufig nicht exakt feststellen lassen, die genauen Erkrankungsmechanismen nicht bekannt sind und vor allem die Ursachen häufig nicht beseitigt werden können! Dies trifft vor allem auf die Schmerzbekämpfung zu, da bis heute nicht geklärt ist, wie genau Schmerz entsteht und wahrgenommen wird. Das typische Beispiel einer symptomatischen Behandlungsmaßnahme ist daher die Kopfschmerztablette. Das Problem dieser symptomatischen Behandlungen besteht darin, dass gar nicht das Ziel besteht die Ursache der Beschwerden herauszufinden und zu beseitigen. Der symptomatische Behandlungsansatz ist häufig auch eine medizinische Notlösung, weil es nicht gelingt die eigentliche Ursache der vorhandenen Beschwerden heraus zu finden. Der Betroffene wird in der Regel zum Dauerpatienten, der seine Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern versucht. Dabei werden die individuellen Folgen des chronischen Schmerzmittelkonsums, der bereits bei einer regelmäßigen Schmerzmitteleinnahme von länger als drei Monaten besteht, in der Bevölkerung vollkommen unterschätzt. Magenblutungen und irreversiblen Nierenschädigungen sind regelmäßige Folge einer chronischen Schmerzmitteleinnahme. Unabhängig davon, dass Schmerzmittel nach längerem Gebrauch nur noch unvollständig wirken, findet unter anderem in der Werbung eine vollkommen inakzeptabel Bagatellisierung der chronischen Schmerzmitteleinnahme durch die Pharmaindustrie statt. Der symptomatische Behandlungsansatz ist häufig nur ein medizinischer Notnagel, der sich aber bei CMD Patienten zum Haupttherapieinstrument entwickelt hat. Der häufige und dauerhafte Einsatz von Antidepressiva in diesem Zusammenhang muss schon als medizinischer Offenbarungseid betrachtet werden!
2. Kausaler Behandlungsansatz:
Versucht die Ursachen der Erkrankung aufzudecken und nachfolgend zu beseitigen.
Kopfschmerzen, Hals-, Schulter- und Nackenbeschwerden können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Der kausale Behandlungsansatz versucht herauszufinden, wodurch diese Beschwerden verursacht werden. Nachfolgend sorgt dann eine ursachenbezogene Behandlung dafür, dass die schmerzhaften Beschwerden dauerhaft verschwinden. Bei craniomandibulären Dysfunktionen liegt die Ursache der verschiedenen Beschwerden häufig in einer Störung der Funktion des Kauorgans. Wenn in einer vorgeschalteten Beweisdiagnostik zweifelsfrei und reproduzierbar der Nachweis zwischen dem Auftreten der Beschwerden und den Störungen im Biss nachgewiesen wurde, liegt die Indikation zu einer weiterführenden, zahnärztlich-funktionellen Behandlung vor. Diese besteht zuerst darin die vorliegenden Diskrepanzen des Bisses mit Hilfe verschiedener Vermessungstechniken aufzudecken. Nachfolgend ist dann zu klären, welche Maßnahmen notwendig sind, den Biss zu korrigieren.
3. Behandlungsansätze, die unterstützend wirken können.
In diese Kategorie fallen unter anderem physiotherapeutische und osteopathische Begleitmaßnahmen. Diese können im Rahmen einer CMD-Behandlung eine äußerst hilfreiche Begleittherapie darstellen, die als unterstützende Maßnahme die zahnärztlich-funktionelle Therapie beschleunigt. Werden physiotherapeutische Maßnahmen als alleinige Therapie von CMD-Beschwerden durchgeführt, wirken diese nur symptomatisch und die Beschwerden verschwinden nur solange, wie die Strukturen behandelt werden. Typischerweise treten die Beschwerden bereits kurze Zeit, nachdem eine Behandlungseinheit abgeschlossen wurde, wieder auf. Dies ist dann auch der Beweis dafür, dass die Ursachen der Schmerzen und Verspannungen nicht primär muskulärer oder osteopathischer Art sind. Der Patient wird auch hier zum Dauerpatienten, nimmt in der Regel dauerhaft schmerzlindernde oder andere Medikamente.
Beschwerden, die auf eine CMD hinweisen:
Die Symptome von CMD sind vielfältig und fallen nicht in das berufstypische Betätigungsfeld des Zahnarztes. Der aufgesuchte Arzt hingegen findet für die beklagten Symptome in der Regel kein adäquates Erkrankungsbild. Deshalb werden die Patienten gelegentlich als atypisch Erkrankte, oder als psychosomatisch „eingebildete“ Erkrankte klassifiziert. Diese Verlegenheitsdiagnosen führen oftmals zu einer weiteren Steigerung der Symptome, weil die Betroffenen sich mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen fühlen. Dies wiederum führt dann zur „Bestätigung“, dass es sich um eine psychisch geprägte Erkrankung handeln muss. Ein Teufelskreislauf, den es aufzubrechen gilt! Hier bedarf es des CMD-Spezialisten.
Sehr häufig werden die Symptome von CMD anderen Erkrankungen zugeordnet. „Jeder Arzt/Zahnarzt/Physiotherapeut/Heilpraktiker kann nur das Krankheitsbild diagnostizieren, das er kennt! Passen einzelne Symptome nicht, wird gelegentlich ein „atypisches Erscheinungsbild“ der angenommenen Erkrankung diagnostiziert. Die folgende Auflistung beschränkt sich auf typische Erscheinungsbilder. Der Patienten vermutet anhand seiner Symptomatik Beschwerden an bestimmten Organen oder Geweben und sucht dann den vermeintlich zuständige Facharzt auf. Es ist das ABSOLUT TYPISCHE an CMD, dass trotz fachärztlicher Abklärung keine krankhaften Befunde an den untersuchten Organen/Geweben zu erheben sind, die eine nachvollziehbare Diagnose zulassen. Der Patient gerät in einen Teufelskreislauf immer weiterer Beschwerden und ärztlicher Ratlosigkeit. In Klammern angegeben sind die Fachärzte und anderen Gesundheitsberufe, die gewöhnlicherweise wegen der Beschwerden aufgesucht werden. Bei den CMD verursachten Beschwerden aber nicht helfen können. Dass diese Patienten häufig auch ihren Hausarzt aufsuchen, sei erwähnt. Häufig werden, nachdem die Schulmedizin „ausgereizt“ ist, Angehörige der Komplementärmedizin aufgesucht. Viele dieser Betroffenen sind zeitlebens auf der Suche!
Kopfschmerzen
(Schmerzklinik, Neurologe, Neurochirurg, Anästhesist)
Der Kopfschmerz ist eines der Leitsymptome der CMD. Er kann einseitig oder beidseitig auftreten. Typischerweise ist der Schläfenbereich betroffen, bis in die Stirn hineinziehend. Aber auch im Bereich des Hinterhauptes. Fast immer nehmen die Betroffenen zu Unrecht an, die Schmerzen zögen aus dem verspannten Halsbereich in den Kopf hinein (Aufsteigende Symptomatik). Bei CMD liegt aber regelmäßig eine absteigende Symptomatik vor. Hals-, Schulter-, Nackenbeschwerden sind hier Folge der funktionellen Störung des Kauorgans.
Typisch sind auch Kopfschmerzen nach erfolgter kieferorthopädischer Behandlung oder nach zahnärztlichen Behandlungsmaßnahmen.
Gesichtsschmerzen
(Schmerzklinik, Neurologe, Neurochirurg, Anästhesist)
Gesichtsschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Sie können durch Entzündungen der Kieferhöhlen hervorgerufen werden, durch Entzündungen der Zahnnerven oder durch Entzündungen aus dem Zahnhalteapparat. Diese Beschwerden lassen sich relativ einfach nachweisen. Gesichtsschmerzen können aber auch als projizierte Schmerzen aus fehlbelasteten Kiefergelenken oder der Kaumuskulatur stammen. Hier wird häufig die Fehldiagnose einer Trigeminusneuralgie gestellt oder, weil ein Nachweis über eine typische Triggerzone nicht möglich ist, die Diagnose einer „atypischen“ Trigeminusneuralgie. Dabei sind Trigeminusneuralgien immer Erkrankungen des älteren Menschen, kommen in Verbindung mit Arteriosklerose vor und sind extrem selten! Die Diagnose: Trigeminusneuralgie/atypische Trigeminusneuralgie ist die typische Verlegenheitsdiagnose und führt die Patienten fast immer auf einen falschen behandlerischen Weg! Die Trigeminusneuralgie gehört zu den extrem seltenen Erkrankungen und kommt noch weit seltener vor als der Cluster-Kopfschmerz! Haben Sie schon einmal etwas vom Cluster-Kopfschmerz gehört? Jemals konkret von einem solchen Patienten gehört? Patienten mit „verlegenheitsdiagnostizierter“ Trigeminusneuralgie kennen Sie mindestens einen in Ihrem Bekanntenkreis!
Sensibilitätsstörungen im Gesicht
(Neurologe, Neurochirurg, Anästhesist)
Es kann im fortgeschrittenen Stadium der CMD zu Sensibilitätsstörungen im Gesicht kommen. Typischerweise treten diese Sensibilitätsstörungen einseitig auf. Können aber auch beidseitig auftreten! Sie werden vom Patienten beschrieben, als prickelndes Gefühl, oder als Ziehen, oder als spinnenwebenartiges Gefühl. Auch eine Taubheit in einem größeren Gesichtsbereich (ohne operativen Voreingriff) wird relativ häufig beschrieben. Die Störungen reichen bis in die Kinn- oder Nasenspitze oder in die Lippen. Die Patienten sind in der Regel sehr beunruhigt weil es keine vernünftige Erklärung für diese Beschwerden gibt. Häufige Verlegenheitsdiagnose: Atypische Trigeminusneuralgie!
Schwellungen im Gesichtsbereich
(HNO, Zahnarzt, Kieferchirurg, Neurologe)
Im Rahmen unphysiologischer, parafunktioneller Aktivitäten kommt es relativ häufig, mal mehr und mal weniger, zu Schwellungen im Bereich der Wange und der Schläfe. In der Regel kommt es beim Auftreten dieser Schwellungen auch zu einer vermehrten Durchblutung und Rötung dieser Bereiche. Dies kann vom Patienten fälschlicherweise als eine allergene Erscheinung aufgenommen werden, oder sogar im Sinn einer atypischen Trigeminusneuralgie gedeutet werden!
Wackelnde Zähne
(Zahnarzt)
„Wenn die Zähne wackeln, wackelt die Psyche“. Eine Lebensweisheit, die vor allem auf Kinder in der Phase des Zahnwechsels zutrifft. Betroffen sind aber auch CMD-Patienten, wenn sich die Zähne durch jahrelange Fehlbelastungen in ihren Zahnfächern gelockert haben und keinen sicheren Biss mehr ermöglichen. Diese Zahnlockungen treten häufig auch im Zusammenhang mit Entzündungen des Zahnfleisches und des Zahnhalterapparates auf. Führen Parodontosebehandlungen nicht zu einem Verschwinden dieser Beschwerden, ist fast immer eine CMD als Ursache dieser Beschwerden verantwortlich. Hinter so genannten therapierefraktären Parodontitiden stehen häufig funktionelle Erkrankungen des Kauorgans!
Blähungen
(Internist, Heilpraktiker)
Viele dieser Patienten beklagen im Verlauf ihrer „CMD-Karriere“ zunehmende Blähungen, für die es keine sinnvolle Erklärung gibt. Das Thema selbst ist vielen Patienten peinlich, so dass die Betroffenen in der Regel mit großem Erstaunen reagieren, wenn sie in der Erhebung der zahnärztlich-funktionellen Krankengeschichte zu diesem Punkt befragt werden. Ob es sich bei diesen Verdauungsstörungen um eine direkte Folge einer gestörten Zerkleinerung der Nahrung, infolge der Einschränkung der Muskelbeweglichkeit der Kaumuskulatur handelt, oder um eine Störung des vegetativen Nervensystems ist unklar. Letztendlich steht die unphysiologische Blähung am Ende eines Verdauungstraktes, dessen Anfang ein funktionsgestörtes Kauorgan darstellt. Beachten Sie bitte die zunehmende Bewerbung von antiblähenden Medikamenten in der Werbung!
Sensibilitätsstörungen der oberen Extremitäten
(Neurologe, Neurochirurg, Anästhesist)
Die Sensibilitätsstörungen können in seltenen Fällen bis in die Fingerspitzen hinunterreichen und äußern sich in Taubheitsgefühlen oder Kribbeln im Arm und Fingerspitzen. Hier werden Nervenverläufe durch verspannte Muskulatur im Hals-, Schulter-, Nackenbereich irritiert. Unter bestimmten Umständen kann dies auch zu den Symptomen eines so genannten „Tennisarmes“ führen.
Augen
(Augenarzt)
Gelegentlich kommt es bei CMD zu stichartigen Schmerzen hinter den Augen. Diese werden durch einen fehlbelasteten Muskel verursacht, der für die Vorwärts- und Seitwärtsbewegungen des Unterkiefers verantwortlich ist und hinter der knöchernen Augenwand in der „Flügelgaumengrube“ befestigt ist. Diese liegt hinter der knöchernen Augenhöhle, was vom Patienten nicht unterschieden werden kann. Besonders eindrucksvoll ist diese Symptomatik, weil sie in der Regel direkt nach dem Essen ihren Höhepunkt findet.
Ohren
(Hals-, Nasen-, Ohrenarzt)
CMD-Patienten klagen häufig über „Ohrenprobleme“, für die sich trotz HNO-ärztlicher Untersuchungen keine plausible Erklärung findet. Die Schmerzen stammen tatsächlich nicht aus dem Ohr, sondern aus dem -direkt dem Ohr benachbarten- Kiefergelenk. Durch provokative manuelle Untersuchungstechniken lassen sich diese „Ohrenschmerzen“ auslösen.
„Migräne“
(Neurologe, Neurochirurg, Schmerztherapeut/Anästhesist)
Viele Patienten glauben an Migräne oder an einer „atypischen Migräne“ zu leiden und werden auf dieses Krankheitsbild hin behandelt. Der Begriff der Migräne ist so wie der Begriff der Trigeminusneuralgie eine häufige Verlegenheitsdiagnose. Die „echte Migräne ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, für die es bis heute keine ursächliche Therapie gibt. Häufig verbirgt sich hinter der Fehldiagnose „Migräne“ nichts anderes als die muskuläre Symptomatik einer CMD. Besonders die Diagnose „atypische Migräne“ sollte jeden Betroffenen misstrauisch machen. Bei der nicht seltenen Kombination „CMD und Migräne“ sinken nach erfolgreicher CMD-Therapie Schmerzniveau und die Häufigkeit der Migräneattacken in der Regel erheblich.
Zugempfindlichkeit
(Neurologe)
CMD-Patienten berichten häufig über eine ausgeprägte Zugempfindlichkeit am Kopf. Bereits der „Fahrtwind“ beim Einkaufsbummel in der Stadt, beim Fahrradfahren oder beim Spazierengehen am Strand führt zum Auftreten der Kopfschmerzen im seitlichen Kopfbereich. Deshalb werden bereits bei milden Temperaturen Schals, Mützen oder Stirnbänder getragen, um die Muskulatur am Kopf vor Abkühlung durch vorbei streichende Luft zu schützen, Diese muss nicht einmal kalt sein. Die kopfschmerzprovozierenden Ereignisse werden vermieden, was teilweise erheblichen Einfluss auf die Lebensgestaltung hat.
Biss
(Kieferorthopäde, Kieferchirurg, Zahnarzt)
Gelegentlich hat der Patient das Gefühl sein Biss stimme nicht. Dies äußerst sich zum Beispiel darin, dass nicht alle Zähne gleichzeitig zusammenbeißen, oder ein Gefühl besteht, als sei Luft zwischen den Backenzähnen, während die Frontzähne schon fest aufeinander beißen. Oft besteht auch das Gefühl der Biss verschiebe sich beim Zusammenbeißen.
Kieferschmerzen
(Kieferchirurg, Zahnarzt)
Es kommt häufig zu Schmerzen in den Kiefern. Diese „wandern“ sowohl von Seite zu Seite, wie auch von oben nach unten. Es handelt sich hierbei um projizierte Schmerzen, die ursächlich aus der fehlbelasteten Kaumuskulatur und/oder den Kiefergelenken stammen, die den Unterkiefer mit dem Gesichtsschädel verbinden. Alternative Ursachen wie: Parodontitis, Neuralgien, Dentopathien (Beschwerden aus dem Zahn), Tumore müssen vom Spezialisten ausgeschlossen werden.
Kieferhöhlenentzündung
(HNO, Kieferchirurg)
CMD Patienten klagen häufig über Beschwerden im Bereich des Jochbeins, im mittleren Teil der seitlichen Gesichtshälfte. Häufig wird hier eine Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis) angenommen, die aber vom HNO-Arzt nicht bestätigt werden kann. Bei CMD-Patienten handelt es sich hier regelmäßig um eine Schmerzprojektion eines Muskels, der auch für die stichartigen Schmerzen hinter dem Auge verantwortlich ist. Siehe auch „Augen“.
Kiefergelenkknacken/schmerzen
(Zahnarzt, Kieferorthopäde, Kieferchirurg)
Die Kiefergelenke reagieren häufig schmerzhaft unter Belastung. Ein Kiefergelenkknacken deutet häufig darauf hin, dass es mechanische Probleme im Gelenk gibt. Die Ursache liegt in einer Fehlbelastung der Gelenkstrukturen. Da die Gelenke nicht durchblutet werden, sondern über die Gelenkflüssigkeit ernährt werden, besteht eine äußerst geringe Regenerationsfähigkeit. Es kann daher sehr nachteilig sein in den Zerstörungsfortgang der Gelenke nicht einzugreifen, da es bis heute keine therapeutischen Möglichkeiten gibt ein geschädigtes Kiefergelenk wieder herzustellen. Je früher hier eine Behandlung erfolgt umso besser. Die Meinung vieler Zahnärzte hier müsse nicht behandelt werden, so lange der Patient keine Beschwerden hat, teilt der Verfasser nicht. Sind Strukturen der Kiefergelenke erst einmal unwiederbringlich zerstört, gibt es keine Behandlung mehr, die noch helfen könnte! Besonders schwierig wird es, wenn der Patient auf einmal nicht mehr den Mund öffnen kann. Diesem extremen Ereignis geht immer eine jahrelange, funktionelle Vorgeschichte voraus, ohne dass eine adäquate Behandlung erfolgt wäre!
Hals-, Schulter-, Nackenbereich
(Orthopäde, Physiotherapeut, Osteopath)
Verspannungen der Kaumuskulatur können sich von oben am Kopf beginnend über die verschiedenen Muskelgruppen nach unten hin fortsetzen. (Absteigende Symptomatik) Bei den Patienten besteht hingegen häufig der falsche Eindruck die Beschwerden am Kopf wären eine Folge der Verspannungen im Hals-, Schulter-, Nackenbereich, die nach oben hin aufsteigen. (Aufsteigende Symptomatik) Es ist möglich zweifelsfrei nachzuweisen, ob es sich um eine aufsteigende oder absteigende Symptomatik handelt.
Ohnmacht
(Neurologe, Neurochirurg)
Eine sehr seltene Erscheinung im Zusammenhang mit CMD, die nach erfolgter kausaler Therapie ausbleibt, wenn sie CMD verursacht ist.
Schwindel
(Neurologe)
Eine seltene Erscheinung bei CMD, bei der immer mit Vorsicht zu prüfen ist, ob es einen Zusammenhang zwischen Beschwerden und CMD gibt. Prinzipiell gilt: Je länger die Beschwerden bestehen und je älter der Patient ist, umso unwahrscheinlicher ist es, dass diese Beschwerden in Folge einer CMD-Behandlung wieder verschwinden.
Psyche
(Psychologe, Neurologe, Psychiater)
Ein Mensch, der an dauernden Schmerzen leidet, ergebnislos einen Arzt nach dem anderen konsultiert und weder nachvollziehbare Erklärung noch Behandlung seiner Beschwerden erfährt, leidet irgendwann auch psychisch unter seinen körperlichen Beschwerden. Ein tragischer Fehler ist es nun aber zu glauben, über eine Behandlung der Psyche sei die Ursache seiner Schmerzen zu beheben. Es kann in seltenen Fällen notwendig sein in dieser Sache einen Facharzt einzuschalten, um den Fortgang der Behandlung positiv zu beeinflussen. Dies ist aber nur in den seltensten Fällen wirklich notwendig! Der Verfasser stellt sich angesichts seiner behandlerischen Erfahrung ausdrücklich gegen die zunehmende „Psychisierung“ der CMD-Behandlung.
Rückenschmerzen
(Orthopäde)
Die Verspannungen aus dem Bereich der Kaumuskulatur können sich über den Hals-, Schulter- und Nackenbereich auch in den Bereich des Rückens nach unten fortsetzen (Absteigende Symptomatik). Eine physiotherapeutische Behandlung der schmerzhaften Strukturen des Stützapparates kann dann zwar unterstützend wirksam sein, eine ursächliche Behandlung des Problems aber nicht ersetzen. Es ist möglich zweifelsfrei nachzuweisen, ob es sich um eine aufsteigende oder absteigende Symptomatik handelt. Der CMD-Spezialist kann nur eine absteigende Symptomatik beeinflussen!
Schlafstörungen
(Neurologe)
CMD-Patienten schlafen häufig unruhig. Dies kann mit nächtlichem Zähneknirschen/pressen zusammenhängen. Nicht selten haben diese Patienten Albträume, in denen sie sich ihre Zähne ausknirschen und zahnlos werden.
Morgendliche Verspannungen in Kopf, Hals, Schulter, Rücken
(Orthopäde)
Der Patient hat das Gefühl einer Verspannung am Kopf oder im Hals-Schulter-Nackenbereich. Häufig hat der Patient das Gefühl eines „festen“ Bisses, so als ob die Zähne nicht auseinander gehen wollten. Die erste Kieferöffnung erfolgt mühsam oder sogar unter Schmerzen.
Schluckbeschwerden
(Hals-, Nasen-, Ohrenarzt)
Das Gefühl eines Kloßes im Hals, hervorgerufen durch eine CMD-verursachte-Verspannung der Halsmuskulatur oder als vegetative Störung, die sich im Verlauf des Verdauungstraktes fortpflanzt. Siehe auch Blähungen.
Krämpfe im vorderen und seitlichen Halsbereich
(Hals-, Nasen-, Ohrenarzt)
Ein sehr unangenehmes und schmerzhaftes Gefühl, das auftritt, wenn die Halsmuskulatur unter bestimmten Lagerungshaltungen des Kopfes einseitig beansprucht wird. Häufig hervorgerufen durch eine CMD-verursachte-Verspannung der Halsmuskulatur, als Folge einer so genannten „absteigenden Symptomatik“.
Tinnitus
(Hals-, Nasen-, Ohrenarzt)
Eine vermutete gemeinsame Nervversorgung von Teilen des Kiefergelenks und des Innenohres werden für das Auftreten von Tinnitus bei CMD verantwortlich gemacht. Die Wahrscheinlichkeit durch eine Beeinflussung der Bisslage einen positiven Einfluss auf das Krankheitsgeschehen im Ohr zu haben, hängt maßgeblich davon ab, dass etwaige Maßnahmen sehr schnell ergriffen werden. Je chronifizierter der Tinnitus vorliegt, umso unwahrscheinlicher wird eine Heilung. Je jünger der Patient ist, um so eher besteht die Möglichkeit des Verschwindens des Tinnitus durch die Einstellung eines physiologischen Bisses. Der Verfasser hat nur wenige Fälle erlebt, in denen es gelungen ist Tinnitus durch eine CMD-Behandlung erfolgreich zu behandeln. Die Abklärung eines möglichen Zusammenhangs ist mit wenig Aufwand durchführbar!
Zähne
(Zahnarzt)
Die Zähne zeigen regelmäßig, aber eben nicht immer! deutliche Abschleifspuren. Die Zahnoberflächen sind nicht mehr gewölbt und gerundet, sondern flächig abgeschliffen. Die Zahnhälse zeigen häufig so genannte keilförmige Defekte, so als ob ein Biber den Zahn annagen würde. Im Bereich der Frontzähne wirken die Zähne wie mit einem Messer abgeschnitten und bei Betrachtung von oben ist zu erkennen, dass die schützende Schmelzschicht abgeschliffen wurde und das Zahnbein freiliegt. Entgegen der weit verbreiteten Meinung handelt es sich hier nicht um gesunde Zähne, sondern um traumatisch hochgeschädigte Zahnhartsubstanzen und im Zahn liegendes, geschädigtes Nervengewebe! Die Patienten klagen im fortgeschrittenen Stadium gelegentlich über ein erhöhtes Wärme-Kälte-Empfinden an den Zähnen, weiterhin über die Unmöglichkeit bestimmte Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, weil Zitrusfrüchte, Fruchtsaftgetränke und Joghurt zu starken Sensibilitäten an den Zähnen führen. Ganz typisch sind wiederkehrende Unwohlgefühle an stets den gleichen Zähnen, die aber immer wieder so verlässlich verschwinden, wie sie kommen. Sehr typisch für das Vorliegen einer Fehlbisslage sind Veränderungen der Zahnstellung, so genannte „Zahnwanderungen“. Hier ganz besonders das so genannte „Diastema“, eine Lückenbildung zwischen den beiden mittleren, meist oberen Frontzähnen. Hier wird in der Regel fälschlicherweise ein zu starkes Lippenbändchen verantwortlich gemacht. Operative Eingriffe führen daher in der Regel nicht zum Erfolg, werden aber nach wie vor durchgeführt.
An dieser Stelle muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass der Verfasser immer häufiger mit Patienten konfrontiert ist, die über extreme Beschwerden einer CMD klagen, deren Gebisse aber kaum erkennbare Abnutzungserscheinungen zeigen. Dies macht es selbst dem Spezialisten extrem schwierig die möglichen Zusammenhänge, auf den ersten Blick, zu erkennen. Selbst Patienten mit schwersten Symptomen einer CMD müssen nicht mit den Zähnen knirschen oder pressen, wie immer wieder behauptet wird!
Ein ganz anderes Problem erschwert zudem Erkennung und Behandlung der Beschwerden einer CMD. In jedem Zahn steckt ein Zahnnerv. Dieser ist für eine Fehlbelastung, wie sie bei CMD Patienten vorkommt, nicht ausgelegt. Häufig kommt es in Folge der dauerhaften Überlastung der Zähne zu einer chronischen Entzündung der Zahnnerven, die sich in einer erhöhten Temperaturempfindlichkeit oder in der Unfähigkeit den Zahn auf Druck belasten zu können, äußert. Dies führt dann wiederum dazu, dass der Kiefer unbewusst leicht verschoben wird, um eine Belastung dieser Zähne zu vermeiden. Dadurch werden aber Kiefergelenke und Kaumuskulatur fehlbelastet, was wiederum zu neuen Fehlbelastungen wieder anderer Zähne führt. Die Erfahrung zeigt, dass langjährige CMD-Patienten fast immer an unerkannten chronisch-entzündeten Zahnnerven leiden, die regelmäßig unterschwellige Beschwerden verursachen. Diese chronisch-entzündeten Zahnnerven müssen unbedingt behandelt werden (Endodontie), um die Zähne wieder belastbar machen und den Biss korrekt einstellen zu können!
Ganz typisch für das Vorliegen einer CMD ist das Auftreten von scheinbaren Zahnbeschwerden, die weder durch Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen oder Wurzelspitzenresektionen zu beseitigen sind. Auch nach der Entfernung des Zahnes bleiben die Beschwerden bestehen. Es kann dann noch zu so genannten „Herdausräumungen“ kommen, die ebenfalls ohne Erfolg bleiben. Alle Behandlungsmaßnahmen waren von Beginn an fehlindiziert, weil zu keinem Zeitpunkt der Zahn Ursache der Beschwerden war. Der beschriebene Therapieablauf kommt häufig vor. Auf die Punkte „Wackelnde Zähne“, „Biss“ sei hingewiesen.
Schmerzen im Bauchbereich
(Internist)
Diese sehr schmerzhaften Beschwerden, die bei einigen wenigen Patienten dazu führen, dass diese während der Nacht aufwachen, sind vermutlich mit einer Verkrampfung des Zwerchfells verbunden, einer vegetativen Folgesymptomatik einer verkrampften Halsmuskulatur, als Folge einer internen, „absteigenden Symptomatik“.
Unfälle/Auffahrunfälle/Sportunfälle/Berufsunfälle
(Durchgangsarzt)
Viel häufiger, als allgemein angenommen, kommt es nach traumatischen Ereignissen, typischerweise nach Kfz-Auffahrunfällen, aber auch nach Fahrrad-, Sport- und Arbeitsunfällen zu Schmerzen, Sensibilitätsstörungen und Verspannungen im Kopf- und Gesichtsbereich. Nachfolgend zu Beschwerden und Verspannungen im Hals-, Schulter- und Nackenbereich. Typischerweise treten diese Beschwerden in der Regel nicht in direkter zeitlicher Folge nach dem Unfallereignis ein, sondern erst einige Tage bis Wochen, gelegentlich auch Monate später. Dies führt zum einen dazu, dass weder die Betroffenen, noch die behandelnden Ärzte einen Zusammenhang zu dem Unfallereignis herstellen. Von den Versicherungen und Kostenträgern wird dieser typische Verlauf systematisch dazu genutzt Ansprüche der Betroffenen abzuwehren, weil nach deren Darlegung der fehlende direkte zeitliche Zusammenhang dafür sprechen würde, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den Beschwerden der Betroffenen gibt. Angesichts der Uninformiertheit von Richtern, Gutachtern, Ärzten und Zahnärzten werden die Betroffenen in diesen Verfahren daher regelmäßig um berechtigte Ansprüche gebracht. Da die Behandlung von CMD nicht zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erbracht werden darf, können derartige Verfahrensabläufe und Versäumnisse ganze Lebensplanungen zerstören. Wie viele Betroffene wegen dieser verfahrenstechnischen Mängel ein Leben in chronischem Schmerz verbringen müssen, wie viele Dialysepatienten wegen CMD-schmerzmittelverursachter-Niereninsuffizienz behandelt werden, wie viele CMD-Erkrankte als arbeitsunfähig frühverrentet werden, kann man nur ahnen!
Im Kapitel „Anlage“ findet der Leser die Veröffentlichungen des Verfassers in wissenschaftlichen Zeitschriften und eine detaillierte Aufstellung der Prüfungsfälle zum „Spezialisten für Funktionsdiagnostik und therapie“. Weiterhin eine Darstellung konkreter Beschwerdefälle.